03.12.2016 / 3-Stunden Rennen / Kerpen

Wieder einmal ging es am 03. Dezember 2016 zu einem unserer Lieblingsrennen, dem 3 Stunden Rennen in Kerpen. Immer wieder gerne sind wir in Kerpen zu Gast, zumal die Rennen auf einem hohen Niveau organisiert werden, die Zweikämpfe immer fair waren und man inzwischen einige Freundschaften aufgebaut hat.

Nach dem Rennen im Oktober welches Mike Wilhelmi alleine bestritt fuhr man nur wieder zu zweit und offiziell mit. Dennoch war die Aufstellung neu, brachte Wilhelmi den Führenden des AR-Cups Ronald Lörincz mit, welcher das Team schon beim 6h Charityrennen im Juli unterstützte. Keiner hätte am wirklich frühen Morgen um 1 Uhr in der Nacht, als der Wecker klingelte mit dem gerechnet, was dieser Tag noch bescheren sollte.
Entgegen den letzten Malen verzichtete man auf eine Anreise und Trainingsmöglichkeit am Vorabend. Stattdessen wollte man eine staufreie Fahrt genießen und so fuhr man die Nacht in Richtung Morgen durch. Kurz nach 7 Uhr kam man dann an der Strecke an, frühstückte und bereitete sich vor.

Pünktlich wie immer startete um 9 Uhr die 30 minütige Qualifikation. Mike Wilhelmi fuhr die erste Hälfte in der er genau wie viele andere Fahrer noch über mangelnden Grip klagten, doch inzwischen weiß man, dass die Zeiten in Kerpen erst am Schluss gesetzt werden. Ronald Lörincz übernahm etwa zur Halbzeit der Qualifikation das Steuer. Zeitweise stand Lörincz auf Platz 2 im Klassement, kurz vor Schluss rutschte er dann aber doch noch auf Position 3 nach hinten. Der Rückstand zur Pole? Gerade einmal 0,04 Sekunden. Die Top 3 starteten nahezu Zeitgleich in das Rennen.

Beim Rennstart um 10 Uhr lautete die Aufgabe für Lörincz dranbleiben an der Spitze. Wie er selbst nach dem Rennen erklärte war diese nicht immer eine leichte Aufgabe und er musste teilweise schon ordentlich pushen und profitierte immer mal wieder von dem Zweikampf und Positionswechseln der beiden Führenden um wieder aufzuschließen. Zeitweise bekam Lörincz auch noch Druck von hinten. Doch nach etwa 20 Minuten Fahrzeit musste der Viertplatzierte von ihm ablassen. Die Lücke wuchs bis auf rund 10 Sekunden an. Platz 5 konnte den Speed der ersten 4 Fahrer gar nicht mitgehen und fuhr einsam in einem stetig wachsendem Abstand. Aufgrund der Tatsache dass das erste Kart sehr gut lief wurde die Fahrzeit des ersten Turns auf ein gesundes Maß erhöht. Lörincz sollte als schnellerer Mann im Team die maximal mögliche Fahrzeit für einen Fahrer in dem Rennen von 100 Minuten erhalten. Man teilte seine beiden Turns auf 2 x 50 Minuten ein. 
In der 48. Rennminute wurde Lörincz der Fahrerwechsel signalisiert. Wilhelmi übernahm. Für Wilhelmi galt es nun erst einmal mitfließen. Direkte Duelle gab es zu dieser Zeit nicht mehr auf der Strecke und Fahrerwechselbereinigt lag man weiterhin auf Position 3. Es begannen die Tankstopps. Bis zum Tankstopp von Wilhelmi gibt es hier nichts außergewöhnliches zu berichten, doch 2 Runden später sollte sich das Ganze schlagartig ändern. Wilhelmi fuhr gerade die Gerade neben der Boxengasse entlang als sich in selbiger ein Kart des KSF Erftlands in Bewegung setzte. Gerade noch im letzten Moment konnte Wilhelmi durchhuschen und hatte für die restliche Zeit des Turns nun einen Schatten. Im Eifer des Gefechts passierten 2, 3 kleinere Fahrfehler, Überholversuche die daraus resultierten konnte Wilhelmi jedoch kontern. Nach 40 Minuten wurde wieder gewechselt und Lörincz übernahm wieder.
Wilhelmi selbst beschreibt den Wechsel wie folgt: "Ich stieg aus dem Kart aus, blickte auf das Zeitenklassement, sah uns auf Platz 2 und dachte mir noch: Mal sehen wo wir nach Bereinigung der Fahrerwechsel stehen werden. Aber selbst kurz vor den nächsten Tankstopps standen wir noch immer auf P2, was mich doch positiv überraschte."
Nun war es wieder Lörincz der zu seinem zweiten 50 Minuten Turn ausrückte. Im Gegensatz zum ersten Turn hatte nun auch Lörincz freie Fahrt. Und konnte diese Nutzen. Der Abstand zur Spitze war zu diesem Zeitpunkt mit rund 15 Sekunden immer im Rahmen. Doch 1 Stunde und 10 Minuten sollte sich das Blatt noch einmal wenden, als die Rennleitung verkündete dass das Team "Platz 1" eine 60 Sekunden Stop&Go Strafe erhält wegen Überfahrens der weißen Linie in der Boxeneinfahrt. Somit verlor das Team "Platz 1" in Führung liegend auch den selbigen und rutschte auf Platz 5 ab. Fortan waren es wieder die Teams der KSF Senioren und Junioren die in der Verfolgung lagen. Lörincz fuhr nun am Limit, setzte die Teambestzeit des Rennens, nur knapp hinter er schnellsten Rennrunde und fuhr konstant niedrige 48er Zeiten. Der Vorsprung auf die Verfolger wuchs an bis auf 22 Sekunden. Wilhelmi fand man plötzlich am Streckenrand mit dem Taschenrechner in der Hand. Restfahrzeit / Durchschnittliche Rundenzeiten von Wilhelmi. Rein kalkulatorisch sollte ein Sieg mit 8 - 12 Sekunden Vorsprung möglich sein. Man hätte also noch ein Sicherheitspolster für Überrundungen. Doch es sollte anders kommen als gedacht.
Unfreiwillig wurde die Schlußphase zum Herzschlagfinale. Der letzte Fahrerwechsel stand an. Das Fahrzeitfenster von Lörincz mit maximal 100 Minuten für das Rennen wurde mit 98 - 99 Minuten auf das Maximum ausgenutzt, wissentlich dass Wilhelmi auf die Zeiten von Lörincz unter normalen Bedingungen 0,3 - 0,4 Sekunden fehlen. Wilhelmi übernahm wieder, fuhr aus der Box auf die erste Gerade und ließ schnell einen fluchenden Schrei unterm Helm lost. Noch nicht mal in der Hälfte des ersten Vollgasteils der Strecke angekommen hatte das Kart seine Höchstgeschwindigkeit bereits erreicht, der Motor wollte nicht mehr höher drehen und verhielt sich, als ob ein Begrenzer aktiv sei. Die erste Rundenzeit... nur eine 49.7xx. Viel zu wenig. Nach 2  - 3 Runden hatte sich Wilhelmi auf das Kart eingestellt, mehr als 48.9er Zeiten waren nicht drin, im Schnitt und bei freier Strecke lagen die Zeiten aber im Bereich 49.0 - 49.2. Als dann noch eine Überrundung durch die Streckenposten übersehen wurde und Wilhelmi fast 2 Runden lang hinter einem langsameren Fahrer verbringen musste, der seine Position verteidigte verlor man allein in diesen Runden über 2 Sekunden. Die Konkurrenz witterte die Chance, die Verfolger fuhren einen super Turn und schienen Karttechnisch auch das absolute Gegenteil erwischt zu haben. Niedrige 48er Zeiten ließen den Vorsprung pro Runde um 0,6 - 0,8 Sekunden schrumpfen. Deutlich mehr als vor dem Turn hochgerechnet. Auch Lörincz lief nun wieder zu Höchstleistungen auf und feuerte neben der Strecke an was das Zeug hielt. 5 Minuten vor Rennende waren die Verfolger nur noch 3 Sekunden hintendran. Die Zeit schien immer langsamer runter zu laufen. Ein direktes Duell wie im ersten Turn von Wilhelmi als er die Verfolger 20 Minuten hinter sich halten konnte, mit diesem Kart undenkbar. Der Krimi wurde in der letzten Runde endgültig perfekt. Der Gegner war dran, eine Überrundung stand noch an. Die Streckenposten reagierten vorbildlich, beide führenden Karts kamen nach dem ersten Drittel der Runde noch an der Überrundung vorbei. Wilhelmi der sich gar nicht mehr umdrehte wusste zu diesem Zeitpunkt nicht ob es nun der direkte Gegner oder die Überrundung hinter sich war und variierte die Linie etwas um Kampflinie zu fahren. Im letzten Infield sah er wie der Rennleiter die karrierte Flagge ausbreitete noch 4 Kurven breitmachen. Am Ende sollte es reichen, aber 0,23 Sekunden Vorsprung war weit aus weniger als zu Beginn hochgerechnet. Eine Runde später hätte das Ganze schon wieder anders aussehen können den ein leichterer Fahrer der mit dem Mindestgewicht von 80 Kilo fuhr hätte Wilhelmi mit dem lahmenden Kart und 90kg Körpergewicht auf dem folgenden Vollgasteil leicht ausbeschleunigen können.

Am Ende waren es aber die Gäste vom Bodensee die vor den Heimmannschaften des KSF Erftland das Podium auf der höchsten Stufe besteigen durften. Ein Sieg der uns als Team viel Wert ist, gerade mit dem Hintergrund der weiten Anreise, einem hochkarätig besetztem Feld und der Tatsache dass dieser Sieg wirklich hart erkämpft war.
Wie immer war es ein absolut faires und toll organisiertes Rennen in Kerpen, keiner schien den Gästen vom Bodensee diesen Sieg nicht zu gönnen. Wir sagen Dankeschön für diese Anerkennung. Im Lauf der Zeit haben sich doch einige Freundschaften in Kerpen aufgetan und wir freuen uns schon auf die kommenden Rennen.

Anerkennend muss man aber auch feststellen: Ohne die 60 Sekunden Strafe gegen das Team "Platz 1" wäre es wohl lediglich der Kampf um den zweiten Platz geworden. Denn das Team trägt den Namen nicht umsonst mit seiner Schnelligkeit. Aber: That´s Racing und dazu gehört nun mal auch straffrei durch die 3 Stunden durchzukommen.
Dennoch bleibt festzuhalten: Die Fahrerkombo Lörincz/Wilhelmi kann in Kerpen definitiv um ein Podium mitkämpfen.

Wir freuen uns schon auf das Jahr 2017 in Kerpen! Wir werden wieder da sein

Der 2. Turn des Rennens (1. Turn von Mike Wilhelmi)